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Kapitel 4: Horizont im Spiegel

  Es war kein

  Erwachen im klassischen Sinn. Kein Aufschrecken, kein Atemholen, kein

  Schock. Bewusstsein trat ein wie eine Tatsache. Er wusste immer noch nicht, wer

  er war, aber er wusste, dass er war. Und das genügte fürs Erste.

  Schweigend lag er da – oder schwebte, er konnte es nicht sagen –,

  w?hrend etwas in ihm lauschte. Nicht mit Ohren, sondern tiefer.

  Dort, wo Fragen entstehen, bevor sie Worte finden.

  Interessant, dachte er ein wenig amüsiert. Ich existiere und irgendetwas erwartet,

  dass ich das akzeptiere.

  Ein trockener Gedanke, frei von Panik.

  Er spürte Bewegung, ohne dass sich etwas bewegte. N?he, ohne

  Berührung. Als würde das Universum selbst langsamer atmen, nur für

  ihn.

  In seinem Inneren regte sich etwas – kein Schmerz, kein Dr?ngen.

  Eher…ein Erinnern ohne Erinnerung. Linien. Nicht gesehen, sondern

  gefühlt. Sie lagen unter seiner Haut, geordnet, verschlungen, nicht

  chaotisch. Sie führten nicht nach au?en, sondern nach innen. Jede

  von ihnen schien auf denselben Punkt zuzulaufen – dort, wo sein

  Herz schlug, ruhig, sicher, als h?tte es nie etwas anderes getan. Er

  hob langsam die Hand. Die Bewegung war … zu korrekt. Als

  h?tte sein K?rper l?ngst gelernt, was sein Geist gerade erst

  nachvollzog.

  Vor ihm formte sich eine glatte Fl?che, die weder aus Glas noch Metall zu bestehen schien.

  Eine ruhige, dunkle Oberfl?che, die Licht nicht reflektierte,

  sondern sammelte. Ein Spiegel, war das Letzte, was er jetzt gebrauchen konnte. Er z?gerte einen Moment. Nicht aus

  Angst – eher aus Instinkt. Dann sah er sich an und verga? für

  einen Atemzug zu denken. Die Augen geh?rten nicht zu einem Kind.

  Nicht zu irgendetwas, das h?tte ungestraft existieren dürfen.

  In der Iris spannte sich Tiefe. Kein Schwarz – Bewegung. Als

  h?tte sich der Raum selbst dort eingerollt, gezogen von einer

  unsichtbaren Mitte. Ein stiller Horizont, der nichts verschlang …

  aber alles versprach.

  Er trat n?her an den Spiegel, nicht aus Neugier, sondern weil

  etwas in ihm gezogen wurde. Die Oberfl?che war glatt, makellos, doch

  das Bild darin wirkte … tiefer, als es dürfte. Für einen Atemzug

  sah er nur sich selbst. Dann blieb sein Blick dort h?ngen, wo seine

  Augen h?tten sein sollen. Sie waren dunkel. Nicht leer, nicht tot – sondern verdichtet.

  Als h?tte sich alles Licht entschieden, dort zu verweilen. In ihrem

  Zentrum lag eine Tiefe, die nicht verschlang, sondern hielt. Ein

  stiller Punkt, um den sich Farben sammelten wie Gedanken vor einem

  unausgesprochenen Wort. Ein feiner Saum aus schimmerndem Licht

  umrandete diese Dunkelheit. Kein Strahlen, eher ein Schweben – ein

  Spiel aus Violett, kaltem Gold und jenem Rot, das nicht von Hitze

  sprach, sondern von Gewicht. Als w?re dort eine Grenze gezogen

  worden, jenseits des Horizonts, dem nichts mehr entkommen konnte.

  Er

  bewegte sich nicht. Und doch hatte er das Gefühl, dass der

  Spiegel ihm n?herkam. Was er sah, war kein normales Spiegelbild. Es war

  ein Versprechen ohne Stimme. Etwas, das nicht fragte,

  wer er war – sondern wartete, bis er es selbst verstand. Für einen

  flüchtigen Moment glaubte er, das Licht am Rand seiner Augen bewege

  sich. Es kam ihm so vor als würde es sich brechen und nach innen w?lben.

  Doch das konnte unm?glich sein. Dann atmete er aus. Und der

  Spiegel schwieg als w?re nichts gewesen.

  Die Linien unter seiner Haut antworteten sofort. Ein leises

  Pulsieren, synchron, als h?tten sie nur darauf gewartet. Sein

  Herzschlag beschleunigte sich. Nicht aus Angst, sondern aus

  Erkenntnis.

  ?Also doch kein Traum.“

  Es

  war eine trockene Feststellung. Das was er sehen konnte war keine

  Einbildung. Es war zu real, fühlte sich zu echt an um eine zu sein. Er

  hob die Hand,

  berührte die Oberfl?che des Spiegels. Die Reflexion tat es ihm

  gleich. Keine Verzerrung. Kein Z?gern. Das bin also wirklich ich, dachte

  er.

  Oder zumindest das, was übrig ist. Ein Ziehen breitete sich in

  seiner Brust aus. Als würde etwas in ihm leise

  zustimmen.

  ?Du hast sie gesehen.“

  Die Stimme kam nicht von au?en. Sie war einfach da mit einer unausweichlichen Ruhe.

  Er wandte den Blick nicht ab.

  ?Schwer zu übersehen.“

  Eine kurze abw?gende Pause.

  ?Fürchte dich nicht“, sagte sie.

  Er schnaubte leise. ?Ich überlege noch.“

  Eine angenehme W?rme legte sich um ihn. Wie eine Hand, die schon immer dort gewesen war – bereit, aber

  nicht zwingend.

  ?Wo bin ich“, dachte Aethyrael. Und so schnell und beil?ufig,

  wie der Gedanke kam und ging, wurde seine Frage beantwortet, ohne

  dass er sie laut aussprechen musste.

  ?Du bist auf dem Weg“, fuhr sie fort.

  ?Klingt nach einer Ausrede für Leute, die alle Antworten haben,

  sie aber nicht teilen wollen.“

  Ein Hauch von Belustigung ging wie ein Flüstern durch den Raum.

  ?Du wirst lernen“, sagte sie. ?Nicht alles zu hinterfragen.“

  Er lie? den Blick noch einmal über sein Spiegelbild gleiten.

  über die Augen. über die Linien. über das Wesen, das zu ihm zurück zublicken schien, jedoch nicht erkl?rt werden wollte.

  Dann nickte er langsam.

  ?Gut“, sagte er ruhig. ?Aber ich behalte mir vor, es

  trotzdem zu tun.“

  Die

  Linien unter seiner Haut pulsierten in stiller Zustimmung. Jeder Puls

  war klar zu sehen, durch ein kurzes flackern seiner Runen. Er lie? die

  Hand sinken doch der Spiegel l?ste sich zu seiner Verwunderung nicht

  auf. Er blieb geduldig an Ort und Stelle wie in Stein gemei?elt. Als

  wüsste

  er, dass er sp?ter noch gebraucht wurde.

  ?Wenn wir schon bei Verpflichtungen sind“, sagte er

  schlie?lich und hob den Blick, ohne genau zu wissen, wohin, ?w?re

  es hilfreich zu wissen, wie man mich nennt.“

  Stille

  die man weder als leer noch abw?gend bezeichnen konnte. Also war diese

  Entscheidung ebenfalls bereits gefallen. Eine bedauerliche Wendung und

  doch irgendwie vorhersehbar.

  ?Du meinst einen Namen“, sagte sie.

  ?Ich meine etwas, das verhindert, dass ich mich st?ndig selbst

  umschreiben muss.“

  ?Namen sind kein Zufall“, antwortete sie. ?Sie sind ein

  Versprechen.“

  Er verzog den Mund. ?Dann hoffe ich, du hast vorsichtig

  gew?hlt.“

  Diesmal schwieg sie l?nger. Die Runen unter seiner Haut reagierten, noch bevor sie sprach. Ein

  leises, gleichm??iges aufleuchten, als würde etwas Altes aufmerksam

  werden.

  ?Aethyrael“, sagte sie schlie?lich.

  Der

  Klang traf nicht seine Ohren. Er setzte sich tief in ihm wie an Anker

  auf dem Grund eines Ozeans. Es fühlte sich weder fremd noch neu an -

  sondern … korrekt. Als h?tte etwas

  lange darauf gewartet, angesprochen zu werden. Er wiederholte den Namen

  nicht Laut. Und selbst wenn er gewollt h?tte, es w?re ihm nicht m?glich

  gewesen. Stattdessen lie? er ihn wirken wie ein Urteil. Denn genau so

  fühlte sich der Name an als die Frau die Worte laut ausgesprochen hatte.

  ?Und du?“, fragte er nach einer Weile. Ruhig und ohne eine Spur von Provokation.

  ?Oder soll ich dich weiterhin als Sch?pferin mit einem liebevollen Hang zur Endgültigkeit bezeichnen?“

  Ein Hauch von etwas – Belustigung vielleicht.

  ?Andere nennen mich viele Dinge“, sagte sie. ?Aber du

  darfst meinen Namen kennen.“

  Die

  W?rme um ihn wurde einen kurzen Augenblick st?rker. Nicht schwer oder

  unangenehm. Es war vielmehr eine kurze Best?tigung der Worte die folgend

  sollten.

  ?Ich bin Aelthyria.“

  Der Name trug ein unheimliches Gewicht. Nicht durch Laut, sondern durch eine tiefe Verbindung.

  Die Runen unter seiner Haut antworteten leise, fast respektvoll.

  Er nickte langsam und l?chelte.

  ?Gut“, sagte er. ?Dann sind wir jetzt zumindest … nicht

  mehr komplett namenlos …“

  Aethyrael lie? sich Zeit mit seiner n?chsten Frage, die von Stille begleitet wurde.

  Dann, vorsichtig: ?Und was bist du, Aelthyria?“

  Die

  Antwort kam nicht sofort. Stattdessen geschah etwas vollkommen anderes.

  Etwas das Aethyrael nicht erwartet hatte. Für einen winzigen Moment –

  kürzer als ein Herzschlag –

  verstand er, ohne es einordnen zu k?nnen. Der Raum spannte sich

  umfassend. Als würde etwas Unermessliches bewusst

  nicht vollst?ndig sichtbar werden. Es war keine Macht sondern Kontrolle -

  und eine Sch?pfung, die wusste, wann sie stillzuhalten hatte. Sein Atem

  stockte kurz in Ehrfurcht. Dann war es schlagartig vorbei als w?re nie

  etwas geschehen.

  ?Das“, sagte sie ruhig, ?musst du nicht wissen aber spüren.“

  Aethyrael

  schluckte und lehnte sich ein wenig zurück, lie? das Gefühl auf sich

  wirken. Wie sollte er sich dagegen behaupten. So sch?n sie anzusehen

  war, so m?chtig war sie auch. Und trotzdem - er würde sich nicht einfach

  fügen. Aufgeben und sich seinem Schicksal ergeben? Das war keine

  Option.

  This book was originally published on Royal Road. Check it out there for the real experience.

  ?Und ich?“, fragte er schlie?lich leise. ?Was bin ich?“

  Wieder diese bewusste Pause auf Fragen deren Antwort für sie doch ein leichtes sein sollte.

  ?Du bist“, sagte Aelthyria, ?nicht das, was war. Und

  noch nicht das, was sein wird.“

  Die Runen unter seiner Haut pulsierten – zwei Str?mungen, die

  sich berührten, ohne sich zu vermischen.

  ?Du bist der Punkt dazwischen.“

  Aethyrael

  schloss kurz die Augen und dachte angestrengt darüber nach. Was konnte

  er darauf erwiedern. Sarkasmus lag ihm auf der Zunge doch er lie? ihn

  ziehen.

  Der Punkt dazwischen also, dachte er. Das soll wohl ein Scherz

  sein und zwar kein besonders guter.

  Er hatte das tiefe Bedürfnis, ihr zu sagen, dass diese Antwort zu

  wenig war. Doch etwas in ihm fühlte, dass es vorerst nicht mehr

  Antworten geben würde als das.

  ?Klingt“, sagte er stattdessen, ?nach Problemen.“

  Ein leises, echtes L?cheln lag in ihrer Stimme.

  ?Nach M?glichkeiten.“

  Und wieder. Nichts als Worte ohne Bedeutung, hm?, dachte

  Aethyrael.

  Er lie? den Blick nicht von seinem Spiegelbild. Doch es war nicht die Eitelkeit, es war die Neugier.

  ??M?glichkeit‘“, wiederholte er leise, fast probierend,

  als würde er das Wort von allen Seiten betrachten.

  Ein

  Atemzug verging. Er wusste, dass man ihm seine Unbefriedigung ansehen

  konnte, doch das kümmerte ihn nicht im Geringsten. An ihren nichts

  sagenden Antworten zu zweifeln war auch eine M?glichkeit in seinen

  Augen.

  ?Das ist übrigens kein besonders hilfreiches Konzept“, fügte

  er sachlich hinzu. ?Es erkl?rt alles – und nichts.“

  Keine Antwort, nicht mal eine Reaktion. Er schnaubte leise. Kein Spott - eher Resignation mit Humor.

  ?Verstehe“, sagte er schlie?lich. ?Du sprichst in

  R?tseln, weil du es kannst. Und weil ich sie offenbar erst fühlen

  soll, bevor ich sie verstehe. Und vielleicht auch, weil es dir Freude bereitet?“

  Die

  Pr?senz regte sich kaum. Aber etwas darin … akzeptierte die

  Feststellung. Er nickte einmal, mehr zu sich selbst als zu ihr.

  Wenigstens diese kleine Erkenntnis gestand sie ihm zu. Auch wenn er

  au?er ihrem Namen nicht viel über Aelthyria wusste, dann immerhin das.

  ?Gut“, murmelte er. ?Dann fangen wir eben dort an, wo du

  nicht ausweichst.“

  Sein

  Blick senkte sich erneut zum Spiegel. Er trat einen halben Schritt

  n?her heran und untersuchte noch einmal in Ruhe sein Spiegelbild.

  ?Wenn wir schon bei Dingen sind, die man fühlen soll“, sagte

  er und neigte leicht den Kopf, ?dann erkl?r mir wenigstens das

  hier.“

  Sein

  Blick hielt seinem eigenen stand - auch wenn Aethyrael nach wie vor

  nicht imstande war, zu begreifen, was er dort sah. Die Bewegung in

  seinen Augen war subtil, aber unverkennbar - kein

  gew?hnliches Lichtspiel, eher … Spannung. Als würde etwas hinter

  der Oberfl?che warten, ohne zu dr?ngen.

  ?Sie sehen nicht aus wie Augen“, stellte er fest. ?Nicht

  ganz.“

  ?Und bevor du es sagst“, fügte er hinzu, ?ja – mir ist

  aufgefallen, dass deine ?hnlich sind. Aber nicht gleich.“

  Für

  einen kurzen Moment geschah nichts. Doch dann spürte Aethyrael, dass

  sich die Aura im Raum schlagartig ver?nderte. Aus den Schatten des

  Zimmers heraus, schien sich die Gestalt einer eleganten Frau zu

  manifestieren. Eine sanfte Berührung streifte ihn am Rücken - und

  pl?tzlich stand sie hinter ihm. Vielleicht war Aelthyria auch schon die

  ganze Zeit mit den Schatten hinter ihm verwoben gewesen und hatte nur

  auf den richtigen Moment gewartet. Er konnte es nicht mit Gewissheit

  sagen. Doch eines war sicher: Zuf?lle gab es in ihrer Anwesenheit

  wahrscheinlich nicht so oft. Zumindest noch.

  Mit

  einer gnadenlosen Selbstverst?ndlichkeit trat sie einen Schritt n?her

  und zog Aethyrael sanft zu sich. Ihre H?nde ruhten schwer und

  besitzergreifend auf seinen Schultern, w?hrend ihre azurblauen Augen

  wissend und unerbittlich auf ihn herabblickten. Für einen Moment standen

  beide schweigend da. Fasziniert betrachtete Aethyrael das Spiegelbild

  und wartete gespannt auf die Antwort seiner Sch?pferin.

  ?Deine Augen“, sagte Aelthyria ruhig, ?sind kein Spielzeug.“

  Er blinzelte einmal und sah zu ihr auf. ?Das klingt nach einer Warnung.“

  ?Nach einer Tatsache.“

  Die Runen auf seiner Brust glommen kurz auf – nicht heller,

  sondern tiefer. Als h?tte jemand einen Ton angeschlagen, der nicht

  für Ohren bestimmt war.

  ?Meine Augen“, fuhr sie fort, ?sind erschaffen worden, um

  zu formen.“

  Er hob leicht die Braue. ?Tolle Tatsachen sind das.“

  Ein Hauch von etwas, das sehr entfernt an Belustigung erinnerte.

  ?Deine“, sagte sie dann, und diesmal lag mehr Gewicht in dem

  Wort, ?sind entstanden, um zu tragen.“

  Er

  sah wieder in den Spiegel, seufzte leise - und rieb sich mit Daumen und

  Zeigefinger über die

  Stirn. Was genau sollten seine Augen denn bitte sch?n tragen? Da hatte

  er einmal die Hoffnung auf eine Antwort gehabt, die ihn nicht ratlos

  zurück lassen würde. Doch diese geh?rte definitiv nicht zu solchen

  Antworten.

  Was habe ich mir auch erhofft…

  ?Also gut…“, begann er, die Augen immer noch auf den Spiegel

  gerichtet, ?was jetzt? Wohin gehen wir? Oder soll ich einfach hier

  stehen und darauf warten, dass mein Spiegelbild mir mehr erz?hlt als

  du?“

  Aelthyria blieb einen Moment still. Nicht aus Unsicherheit,

  sondern um die folgenden Worte wirken zu lassen. Jede Linie auf

  ihrer Haut, jede Rune in ihrem Blick pulsierte, kaum sichtbar, aber

  spürbar – wie ein leises Band, das sich in ihm verankerte.

  ?Wir werden gehen“, sagte sie schlie?lich, ruhig,

  bestimmt. ?Und du wirst beobachten und verstehen, bevor du

  handelst.“

  Er verzog den Mund. ?Klingt nach einem Spaziergang in einem

  meiner Albtr?ume. Immerhin gibt es ein Ziel?“

  Sie nickte und l?chelte selig, die Aura um ihn flie?end und sicher.

  ?Ja.

  Ein Planet – unser Heimatplanet, Limbus. Dort wirst du die n?chsten

  Zyklen leben und lernen. Fürchte dich nicht, mein Kind. Ich werde dich

  nicht aus den Augen lassen.“

  Er hob die Augenbraue. ?Also quasi die Illusion von Freiheit mit eingebautem

  … überwachungsmodus.“

  ?Keine Illusion,“ korrigierte sie ruhig. ?Mein Anwesen,

  Schloss Moonshire, meine L?ndereien und von nun an dein Heim. Du

  bist meine gr??te Sch?pfung. Ich werde dafür sorgen, dass du das

  Gleichgewicht verstehst – in dir selbst und in der Welt, die wir

  beobachten. Deine Bildung liegt allein in meiner Hand und in keiner

  anderen mein Stern.“

  Ein

  leises Pulsieren ging durch seine Runen, das er nicht sofort einordnen

  konnte. Es war nicht unangenehm, dafür aber hart, bestimmend – als würde

  etwas nach ihm greifen, das er noch nicht fassen durfte. Er

  sog die Luft ein. Die unheimliche Energie hinter der subtilen Resonanz

  ihres

  Blutes lie? ihn kurz zu ihr aufschauen. Und sie sah erneut zufrieden auf

  ihn herab. In ihrem Blick lag keine offene Drohung, nur der stille

  Ausdruck von überlegenheit. Ein Unterton von Kraft, der ihm deutlich

  machte: Du

  kannst mir nicht entkommen. Niemals.

  Er verzog kurz das Gesicht, ein trockenes Schnauben. Die Hand kurz über seine Brust

  legend.

  ?Limbus…Schl?sser und Moonshire...sch?n. Klingt nach Spa?. Sicher, dass du keinen goldenen K?fig

  meinst, Aelthyria?“

  ?Du zweifelst“, sagte sie ruhig, ihre Stimme sanft, aber mit

  einem leisen Unterton von Strenge. ?Ich h?re es und ich fühle es.

  Jede Bewegung, jeder Atemzug, jeder Gedanke deiner Runen spricht

  B?nde.“

  Er verschr?nkte die Arme, leicht trotzig, doch das Ziehen in

  seiner Brust lie? ihn innehalten.

  ?Und? Ich darf misstrauisch

  sein, richtig?“

  ?Natürlich.“ Ein Funken Belustigung glitt durch ihre

  schimmernde Gestalt. ?Aber sei vorsichtig, wie du Zweifel einsetzt.

  Ein falscher Impuls, ein unn?tiges Z?gern …“

  Wieder diese Verbindung, subtil wie ein Herzschlag, der sich durch seine Runen

  zog.

  ?… und du wirst spüren, dass ich mehr als nur Worte

  bin.“

  Wer nicht h?ren muss, muss fühlen, hm? Welch wunderbarer Ansatz.

  Ein Gedanke, den er auf subtile Art und Weise sofort spüren sollte.

  Als h?tte sie ihn gelesen. Er kniff die Augen zusammen, versuchte, dagegen anzukommen, spürte

  aber sofort, wie sein eigener Puls auf die feine Macht ihrer

  Blutresonanz reagierte. Kein Schmerz, kein Zwang – nur das Wissen,

  dass sie jede Bewegung überwachte und korrigieren k?nnte, wenn

  n?tig. Sein K?rper spannte sich reflexhaft an, als würde er sich gegen

  etwas stemmen, das er nicht sehen konnte. Seine Runen glühten auf –

  st?rker diesmal –, als wollten sie sich auflehnen, ihre Linien

  suchten Halt, Richtung, Widerstand. Er fand keinen.

  ?Unangenehm“, murmelte er trocken. ?Also stellst du mich

  jetzt ruhig, bevor ich mich aufregen kann?“

  Er blinzelte. Einmal. Zweimal. Der blutrote Nebel, der sich im

  Verlauf ihrer Debatte immer mehr um seinen K?rper gelegt hatte, war

  nun dabei, ihn vollkommen zu verschlingen. Ein beruhigendes Pulsieren

  ging von ihm aus.

  Ein warmes, leises L?cheln legte sich auf ihr Gesicht.

  ?Ja.

  Aber nicht, um dich zu bestrafen. Um dich zu schützen. Und damit du

  erkennst, dass Kontrolle nicht nur Macht ist – sie ist

  Verantwortung.“

  Sein Atem ging stockend, nicht vor Angst – vor Erkenntnis.

  ?Du … genie?t das“, stellte er fest, keuchend, halb emp?rt.

  ?Nein“, erwiderte Aelthyria. ?Ich genie?e, dass du lernst.“

  ?Ich protestiere offiziell …“, murmelte er leise, die Stimme

  schon weich.

  ?… gegen alles …“

  Ein leises, echtes Lachen. Warm sowie herzlich doch unausweichlich.

  ?Zur Kenntnis genommen“, sagte sie sanft. ?Und abgelehnt.“

  Er spürte wie ihre Emotion durch den Nebel in ihn floss, wie ein leiser Hinweis: Ich k?nnte dich brechen, wenn ich

  wollte. Aber ich w?hle Zuneigung.

  ?Na gut …“, murmelte er,

  halb widerwillig, halb fasziniert.

  ?Dann sag mir, liebste

  Mutter. Was willst du tun, wenn ich mich nicht ruhig stellen lassen

  will?“

  Pl?tzlich

  pulsierte der Raum st?rker – nicht als Warnung, sondern als Signal. Die

  W?nde der Festung schienen zu atmen, die Runen auf der Oberfl?che

  leuchteten auf, als würden sie etwas wecken. Aelthyria neigte den Kopf

  leicht, als würde sie lauschen.

  ?Genug“,

  sagte sie ruhig, ihre Stimme ein Befehl, der keine Diskussion zulie?.

  ?So sehr ich diesen Moment auch genie?e, wir sind da.“

  Aelthyria

  sah ihm tief in die Augen und musterte ihn für einen Augenblick. Dann

  lichtet sich die Kuppel aus blutrotem Nebel, die sich um ihn gelegt

  hatte, langsam und best?ndig. Mit einem letzten sanften Aufflackern

  seiner Runen, verschmolz der Nebel mit den Schatten des Raumes, und

  l?ste sich schlie?lich auf - der H?hepunkt ihrer kleinen Diskussion.

  Aethyrael konnte zuerst nicht zuordnen was genau geschehen war, doch sie

  lie? ihm keine Zeit darüber nachzudenken. Ihr Gesichtsausdruck wirkte

  überaus zufrieden - und irgendwie wusste er nicht so recht wie er darauf

  reagieren sollte. Es war nicht zu übersehen, das Aelthyria sein kurzer

  Anflug von Verwirrung nicht entgangen war.

  Ein

  Hauch von Freude glitt über ihr Gesicht. ?Folge mir und ich gestatte

  dir zu betrachten was du schon bald selbst erleben darfst.“

  Aethyrael blinzelte ungl?ubig, die Ungeduld in ihm wuchs. ?Ich kann's kaum erwarten, diesen goldenen K?fig zu sehen.“

  Sie

  lie? seine Schultern los – die W?rme blieb, aber der Griff lockerte

  sich – und wandte sich ab. Aethyrael folgte ihr, seine Schritte hallten

  in der Festung wider, die sich wie ein lebendiges Wesen anfühlte. Die

  W?nde waren durchzogen von Runen, die bei jedem Schritt pulsierten, als

  würden sie atmen. Der Gang führte aufw?rts, durch Korridore, die endlos

  schienen, beleuchtet von einem schwachen, roten Schimmer, der aus dem

  Nichts kam. Es fühlte sich an, als würde die Festung selbst sie tragen,

  durch Raum und Zeit gleiten, fern von allem, was er je gekannt hatte.

  Auf

  dem Weg konnte er sie betrachten – wirklich betrachten. Aelthyria

  schritt voran, ihre Gestalt elegant und unnahbar. Ihr Haar floss wie

  dunkle Galaxien, in denen Sterne aufleuchteten und erloschen. Ihre Haut

  schimmerte wie polierter Obsidian, durchzogen von feinen Runen, die bei

  jedem Schritt glühten – nicht hell, sondern tief, als würden sie

  Geheimnisse flüstern. Ihre azurblauen Augen, die er nur aus dem

  Augenwinkel sah, waren wie Abgründe, in denen Wissen schlummerte, das

  Welten zerbrechen konnte. Sie war sch?n, auf eine Weise, die wehtat –

  nicht warm, nicht einladend, sondern wie ein Sturm, der noch nicht

  losgebrochen war. Faszinierend, dachte er, aber gef?hrlich. Wie eine

  Klinge, die man nicht berühren sollte.

  Sie

  erreichten eine offene Plattform, umgeben von transparenten W?nden,

  durch die der Weltraum sichtbar war. Sterne rasten vorbei, Nebel

  wirbelten, und in der Ferne schimmerte ein Planet – grün-blau, umhüllt

  von Nebelb?nken, die in der Atmosph?re pulsierten. Limbus.

  ?Sieh

  hin“, sagte Aelthyria, ihre Hand ruhte erneut auf seiner Schulter. ?Das

  ist dein Heim. Oder dein goldener K?fig – wie du es nennst.“

  Aethyrael starrte hinaus, fasziniert und misstrauisch zugleich. Der Anblick der sich im bot war eine angenehme überraschung.

  ?Ein wahrhaft ansehnlicher K?fig muss ich gestehen.“, sagte er und l?chelte sie an.

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